Zeitstrukturierung im Alltag
Ein Austausch zwischen Eleonora Savides und Stefan Kubli

Wie nährst du deine Beziehungen? Interview zur Zeitstrukturierung im Alltag und in der Beratung mit Stefan Kubli.

Eleonora: Wo begegnest du dem TA-Konzept der Zeitstrukturierung in deinem Alltag?

Stefan: Es gehört zu meiner Selbstfürsorge, darauf zu achten, dass mein «Stroke-Gefäss» mit positiven Strokes gefüllt ist – also dafür zu sorgen, dass ich genügend Aufmerksamkeit und Zuwendung erhalte. Die Zeitstrukturierung unterstützt mich dabei besonders bei der Gestaltung meiner Aktivitäten und Beziehungen.

Eleonora: Hast du ein konkretes Beispiel?

Stefan: Mein Arbeitsalltag variiert stark. An manchen Tagen bin ich ständig unter Menschen, kommuniziere viel und erhalte dadurch reichlich Strokes. An anderen arbeite ich konzentriert allein – etwa an einem Thema, das hohe Genauigkeit erfordert. Am Abend suche ich dann bewusst Kontakt nach aussen, teile mich mit und hole mir Resonanz, etwa durch Aktivitäten oder Intimität. Nach einem intensiven Tag mit vielen Menschen brauche ich hingegen Rückzug oder Zeitvertreib.

Eleonora: Nutzt du dieses Konzept auch in deiner Tätigkeit als psychosozialer Berater?

Stefan: Ja, in der Arbeit mit Klientinnen und Klienten taucht es häufig auf. Viele alltägliche Reibereien und Schwierigkeiten speisen sich aus einem ungestillten Bedürfnis nach Zuwendung oder Anerkennung – also einem Stroke-Defizit. Hier hilft die Zeitstrukturierung, das zu greifen.

Eleonora: In welcher Form?

Stefan: Es geht darum, die Stroke-Bilanz der Beteiligten zu verbessern, indem man die Begegnungen neu gestaltet. Das Konzept ist für Klientinnen und Klienten leicht verständlich. Ich stelle die sechs Formen oft visuell als «Treppe» dar: Unten der Rückzug, oben die Intimität. Je höher die Stufe, desto intensiver die Strokes – und desto grösser das psychologische Risiko. Gemeinsam schauen wir, auf welchen Stufen die Parteien bisher unterwegs waren und welche Anpassungen Sinn machen.

Eleonora: In welche Richtung führt diese Bewegung auf der Treppe – nach oben oder unten?

Stefan: Das hängt vom Kontext ab. In Beziehungsfragen geht es oft nach oben zur Intimität, wo Intensität und Qualität der Strokes am verlockendsten sind.

Eleonora: Und das bringt mehr Nähe mit sich.

Stefan: Genau – und das wünschen sich die meisten in ihrer Partnerschaft.

Eleonora: Wann macht es Sinn, auf der Treppe nach unten zu steigen?

Stefan: Wenn die aktuelle Stufe zu viel Energie kostet. Psychologische Spiele bieten hohes Stroke-Potential, sind aber oft anstrengend. Ein Schritt nach unten, etwa in Aktivitäten, schafft Entlastung und Sicherheit. Das ist dann kein Rückschritt, sondern eine Verbesserung.

Eleonora: Das klingt einfach. Worin liegen die Herausforderungen?

Stefan: Unser Skript beeinflusst stark, welche Formen wir bevorzugen oder meiden. Klarheit darüber zu schaffen und ggf. etwas zu verändern, erfordert Sorgfalt und Zeit. Aber die Frage lohnt sich immer: «Wie möchte ich meine Zeit – und meine Nähe – heute strukturieren?»

Eleonora: Vielen Dank, Stefan, für deine fundierten Einblicke zum Konzept «Zeitstrukturierung».