Reflexionsübung zur Zeitstrukturierung
Das Konzept der Zeitstrukturierung lädt dazu ein, den eigenen (Beziehungs-)Alltag genauer zu analysieren: In welchen Formen von Kontakt halte ich mich meistens auf – und wo wünsche ich mir Veränderung, vielleicht mehr Aktivität oder Nähe?
Impulse zur Selbstreflexion
1. Beobachte deinen Tag
Nimm dir einen Tag lang vor, deine Kontakte innerlich einzuordnen. Notiere dir am Abend stichwortartig:
- Wann war ich im Rückzug (z. B. Handy, Lesen, «abschalten» oder wo habe ich mich vielleicht auch aus Unsicherheit zurückgezogen)?
- Wo habe ich Rituale oder Zeitvertreib erlebt (Small Talk, routinierte Gespräche)?
- In welchen Situationen war ich in Aktivitäten (gemeinsames Arbeiten, Organisieren, Sport)?
- Gab es Momente, die sich nach psychologischen Spielen anfühlten?
- Wo habe ich Intimität erlebt – also Offenheit und Berührbarkeit?
Wenn du dir deine Notizen anschaust, frage dich: Welche Art der Zeitstrukturierung dominiert? Welche kommt kaum vor?
2. Experimente im Alltag
Wähle eine Form, die du mehr leben möchtest – zum Beispiel Intimität oder Aktivitäten – und probiere kleine Schritte aus:
- Intimität: Erzähle einer vertrauten Person etwas, das du sonst zurückhalten würdest. Achte darauf, wie es dir damit geht – körperlich, emotional, gedanklich.
- Aktivitäten: Plane bewusst eine gemeinsame Tätigkeit, die nicht nur «funktional» ist, sondern Freude macht (z. B. zusammen kochen statt nur nebenbei Mails beantworten).
- Vom Spiel zum Kontakt: Wenn du merkst, dass ein vertrautes psychologisches Spiel beginnt (z. B. «immer ich», «du verstehst mich nie»), halte kurz inne und formuliere stattdessen eine direkte Botschaft: «Eigentlich möchte ich …» oder «Ich brauche gerade …».
3. Reflexionsfragen
- Welche Form der Zeitstrukturierung fühlt sich für mich besonders sicher – und welche eher riskant an?
- Welche Skriptsätze tauchen auf, wenn ich näher in Richtung Intimität gehe (z. B. «Das interessiert niemanden», «Ich darf nicht zur Last fallen»)?
- Wie verändert sich die Qualität der Beziehung, wenn ich etwas mutiger in Richtung Offenheit oder Klarheit gehe?
Du kannst diese Übungen für dich allein oder im Austausch mit einer vertrauten Person machen. Oft entsteht schon durch das Benennen der eigenen Muster mehr Freiheit – und damit die Möglichkeit, Zeit bewusster und stimmiger zu gestalten.